Nanoscribe GmbH, Eggenstein-Leopoldshafen

„Die Breite der Herausforderungen ist beeindruckend.“

Wo andere nach Größe streben, zieht es die Gründer der Nanoscribe GmbH aus dem nördlich von Karlsruhe gelegenen Eggenstein-Leopoldshafen in die Universen des Mikrokosmos: Mit der Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben die Physiker Martin Hermatschweiler (40), Dr. Michael Thiel (36), Prof. Dr. Martin Wegener (56) und Prof. Dr. Georg von Freymann (46) einen weltweiten Technologieführer für dreidimensionalen Druck im Mikro- und Nanometerbereich geschaffen. Auf Basis von fotosensitiven Polymeren, also Kunststoffen mit Formgedächtnis, und einer hochpräzisen Laserfokus-Steuerung können nahezu beliebige dreidimensionale Strukturen gedruckt werden.

Überraschender Gründungsimpuls

Der erste Impuls für die Unternehmensgründung kam überraschend: „Ich arbeitete im Rahmen  meiner Diplomarbeit am Institut für Angewandte Physik des KIT und forschte an photonischen Kristallen“, erinnert sich Geschäftsführer Hermatschweiler. „Mein Arbeitsgruppenleiter fragte in die Runde, ob jemand das Wagnis eingehen will, aus den Ergebnissen der Grundlagenforschung ein marktfähiges Produkt zu entwickeln.“ Mit tatkräftiger Unterstützung besonders durch das KIT gelang es bereits nach einem Jahr, die ersten Drucker an Kunden aus der Forschung auszuliefern. „Mit dem 3D-Druck in die Mikrometerskala vorzudringen ist eine Sache“, meint Hermatschweiler, „ein Unternehmen aufzubauen jedoch eine ganz andere.“ Von der Breite der Herausforderungen zeigte er sich durchaus beeindruckt. „Hier half mir meine erste Gründererfahrung mit dem Akademischen Kammerorchester Karlsruhe während meiner Studienzeit.“

Mikrofabrikation und nahezu beliebig komplexe Strukturen

Was aber „macht“ man eigentlich mit 3D-Druckern? „Unsere hochpräzisen 3D-Drucker und die hierfür speziell entwickelten Druckmaterialien sind für vielfältige Anwendungen der Mikrofabrikation und für nahezu beliebig komplexe  Strukturen geeignet“, erläutert Mitgründer Thiel. Er sieht „einen ganzen Zoo voller Anwendungen“, angefangen bei der Medizintechnik über die Kommunikationstechnik bis hin zu winzig kleinen  optischen Bauteilen, beispielsweise für das sich immer deutlicher abzeichnende Internet der Dinge. Dabei lassen sich dreidimensionale Objekte in fast beliebiger Form fertigen – und das mit so  kleinen Abmessungen, dass die feinen Strukturen erst unter dem Mikroskop sichtbar werden.

Darüber hinaus gelang es schnell, den Boden für Gründungen anderer Unternehmen zu bereiten: „Bereits drei Unternehmensgründungen waren nur auf Basis unserer Technologie möglich“, sagt Hermatschweiler nicht ohne Stolz.

Internationalisierung als wesentliches Ziel

65 Mitarbeiter finden aktuell einen Arbeitsplatz in dem 2007 gegründeten Unternehmen. Und schon heute sieht man bei Nanoscribe, das auf dem Campus Nord des KIT in Eggenstein-Leopoldshafen angesiedelt ist, hervorragende Möglichkeiten, neue industrielle Anwendungen für den 3D-Mikrodruck zu erschließen. Für Hermatschweiler wird sich  dieser Standortvorteil noch vergrößern, wenn das Unternehmen in gut einem Jahr in den neu errichteten ZEISS Innovation Hub umzieht. Das auf dem Campus angesiedelte Forschungs- und Produktionsgebäude soll für Nanoscribe und weitere Hochtechnologie- und Digital-Start-ups zum Knotenpunkt für neue Ideen werden. Schon heute ist für Hermatschweiler die Internationalisierung ein wesentliches Ziel. Kürzlich expandierte das Unternehmen nach China und baut derzeit auch in den  USA eine Tochtergesellschaft auf.

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