ViGEM GmbH, Karlsruhe

„Es kommen immer Dinge, an die man nicht gedacht hat.“

Manche Gründer trifft ein Geistesblitz – und das Geschäftsmodell ist plötzlich da. Andere haben seit Jahren eine genaue Vorstellung für ein eigenes Unternehmen und arbeiten zielstrebig darauf hin. Für Markus Trauth (53) und seine Mitgründer Karl Georg Esser (43), Carsten Oetker (52) und Rainer Adlich (46) war es ein langer Prozess, ihre Geschäftsidee immer weiter zu verfeinern und schließlich ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Heute begleitet die 2009 gegründete ViGEM GmbH mit einem fast 80-köpfigen Team Automobilhersteller und Zulieferer bei der Entwicklung und Qualifizierung komplexer Fahrerassistenzsysteme  und autonomer Fahrzeuge. „Unser gemeinsames Ziel sind sichere und unfallfreie Fahrzeuge“, erläutert Esser. Dabei bedient ViGEM ein Marktsegment, das es zuvor so noch nicht gegeben hat – ein Musterbeispiel für die angestoßene Transformation der Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg.

Analysesysteme verkürzen Testphasen

Die Idee der ViGEM-Gründer ist das „Rechenzentrum im Kofferraum“. Es misst und speichert in hoher Geschwindigkeit Daten der Fahrzeugfunktionen und stellt sie für eine spätere Diagnose zur Verfügung. „Die Kunst dabei ist, dieses leistungsfähige Rechenzentrum auf kleinstem Raum zu realisieren“, so Esser. „Zudem haben wir wie ein herkömmliches Rechenzentrum verschiedene Verfahren und Ansätze integriert und können damit den Kunden einen echten Mehrwert liefern.“

Die ersten Geräte entstanden durch intensiven Dialog mit Interessenten und wurden zunächst als Prototypen getestet, bevor sie als Kleinserien an die Kunden ausgeliefert wurden. Diese wiederum setzen die ViGEM-Geräte heute nicht nur bei  fertiggestellten Fahrzeugen ein, sondern bereits in der Entwicklungsphase, um Ideen auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. Das verkürzt die Testphase und spart Kosten.

Mit Überraschungen umgehen können

Was die Gründung und den Aufbau des Unternehmens so spannend machte, war, dass es sich dabei nicht um einen durchgängig planbaren Prozess handelte. „Auch heute noch erlebe ich fast täglich Überraschungen“, lacht Trauth. „Egal wie gut man geplant hat und wie intensiv man sich beraten lässt: Es kommen immer Dinge, an die man nicht gedacht hat. Damit muss man umgehen können.“ Als hilfreich empfindet Esser, dass alle Gründer schon Erfahrungen in anderen Unternehmen gemacht haben. „Dadurch wussten wir: Es wird überall nur mit Wasser gekocht.“ Durchhaltevermögen, so ihr Tipp an andere Gründer, sei  für den Aufbau eines Unternehmens essenziell. Wichtig für sie ist die richtige Balance zwischen der Liebe zum Detail und der strategischen Ausrichtung: „Man darf sich auch für die einfachsten Aufgaben nicht zu schade sein und muss gleichzeitig die große Linie im Blick behalten.“

Künftige Erfolge planen

Im März 2018 hat ViGEM neue Geschäftsräume  im Karlsruher Westen bezogen. „Wir haben die Chance genutzt, bei dieser Veränderung auch  etablierte Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren“, freut sich Trauth. Aktuell stehen nun die internationalen Märkte im Fokus, denn Kunden entwickeln Fahrzeuge natürlich nicht nur in  Baden-Württemberg und Deutschland, sondern überall auf der Welt. „In dieser schnelllebigen Zeit genügt es nicht, immer nur den nächsten Schritt zu planen. Wir müssen schon den übernächsten Schritt mitdenken, um das Potenzial, das zum Beispiel in der weiteren Entwicklung des autonomen Fahrens liegt, für uns zu nutzen“, so der Plan für zukünftige  Erfolge. „Dabei nützt es nichts“, so Trauth, „nur eine gute Idee zu haben. Man muss auch die Lücke sehen, wo sie hinpasst und angewendet werden kann.“

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